Die deutsche Biotechnologie-Branche 2016

Wie gut geht es der deutschen Biotechnologie-Branche? Aus den alljährlich von biotechnologie.de erhobenen Kennzahlen des Sektors – basierend auf den international vergleichbaren Standards der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) – lässt sich für 2015 herauslesen, dass es den Deutschen erstaunlich gut geht.

Abbildung: Anzahl der deutschen Biotech-Unternehmen
(in blau: dedizierte Biotech-Unternehmen; in orange: sonstige biotechnologisch aktive Unternehmen)


Demnach ist der Umsatz der 593 deutschen dedizierten Biotech-Firmen im Jahr 2015 auf 3,28 Mrd. Euro angestiegen. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein kräftiges Plus von 8,3%. Am deutlichsten zugelegt hat die industrielle Biotechnologie (+14,3%; 244,4 Mio. Euro), gefolgt von den medizinisch aktiven Biotech-Firmen (9,9%, 2,28 Mrd. Euro).

Abbildung: Umsatz (in blau) und F&E-Aufwendungen (in orange) der deutschen Biotech-Unternehmen


Ähnlich positiv ist der Trend bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E): Mit 1,04 Mrd. Euro liegt dieser Wert erstmals seit 2010 wieder über der Milliardenmarke und beendet damit offenbar die Stagnation der vergangenen Jahre. Das meiste Kapital wurde in die Entwicklung neuer Therapien und Diagnostika gesteckt (+11,3%, 772,8 Mrd. Euro).

Wachstum in der Breite

Einen Zuwachs gab es der von BIOCOM durchgeführten Erhebung zufolge auch bei den Mitarbeiterzahlen: In den dedizierten, also hauptsächlich mit Biotechnologie beschäftigten Unternehmen wurden zum Ende des Jahres 2015 insgesamt 19.010 Arbeitsplätze gezählt (2014: 17.930), ein Zuwachs von 1.080 gegenüber dem Vorjahr (+6%). Mit einem Plus von 5,5% auf 20.250 Mitarbeiter verzeichneten auch die sonstigen, biotechnologisch aktiven Firmen aus der Pharma- und Chemieindustrie in Deutschland erneut ein Wachstum. Somit beschäftigt die Branche deutschlandweit fast 40.000 Mitarbeiter.

Abbildung: Anzahl der Mitarbeiter in deutschen Biotech-Unternehmen
(in blau: in dedizierten Biotech-Unternehmen; in orange: in sonstigen biotechnologisch aktiven Unternehmen)


 „Das Wachstum beim Umsatz und bei den Mitarbeitern verteilt sich dabei nicht auf einige wenige Leuchttürme, sondern ist über das gesamte Land vor allem bei kleinen und mittleren Firmen zu beobachten“, kommentiert Studienleiterin Sandra Wirsching. Dies zeige, dass die Branche immer weniger von einzelnen großen Leuchttürmen abhängig sei, sondern auch in der Breite an Reife zulege.           

Abbildung: Regionale Verteilung der deutschen Biotech-Unternehmen und der Mitarbeiter im Jahr 2015


Boom-Themen in der Gunst von Investoren

Ein Blick in das Tätigkeitsspektrum der Firmen, die 2015 erfolgreiche Finanzierungen einwerben konnten, verdeutlicht zudem: Wer derzeit Produktkandidaten oder Plattformtechnologien in der Immunonkologie, für Infektionskrankheiten oder für Zelltherapien anbietet, der liegt in der Gunst von Investoren ganz vorn. Auch Diagnostika und Bio-IT konnten punkten. „Viele Finanzierungsrunden des Jahres 2015 – ob privat oder an der Börse – decken eines dieser Themen ab“, betont Wirsching. Deutsche Biotech-Firmen haben demnach kein Problem, vom Boom in diesen Feldern zu profitieren – sofern sie es schaffen, auf sich aufmerksam zu machen. Für Schlagzeilen im Jahr 2015 sorgten insbesondere die spektakulären Deals des RNA-Spezialisten Curevac (Bill and Melinda Gates-Stiftung) und die Zelltechnik-Experten von Stage Cell Therapeutics (Juno Therapeutics), aber auch etliche millionenschwere Pharmadeals (Phenex mit Baxter, Biontech mit Eli Lilly und Sanofi) rückten die deutsche Branche international ins Rampenlicht.
In der Studie heißt es zudem: Bei einem Drittel aller privaten Finanzierungen waren ausländische Geldgeber beteiligt, fast alle Kapitalerhöhungen über die Börse hatten zum Ziel, den Anteil von US-Investoren zu erhöhen. Wirsching gibt jedoch zu bedenken: „Hier bleibt der langfristige Trend abzuwarten. Problematisch könnte werden, dass europäische Investoren oftmals eine geringere Bereitschaft zu hohen Kapitalrunden als ihre US-Kollegen aufweisen und dies die Bildung von Investorenkonsortien für private Finanzierungsrunden erschwert.“ Grund zur Hoffnung könnte die Tatsache sein, dass sich 2015 die Vielfalt an Geldgebern verbreitert hat. Etliche Family Offices abseits der Milliardäre Strüngmann und Hopp sind im vergangenen Jahr in der Biotechnologie aktiv geworden.

Abbildung: Finanzierungsquellen deutscher Biotech-Unternehmen


Grundsätzlich bestätigt sich damit das Bild aus der vom Branchenmagazin |transkript und BIO Deutschland im Januar veröffentlichten Trendumfrage. Für die börsennotierten Firmen lief 2015 besonders gut, wenngleich mit der Curetis AG nur eine weitere Firma den Sprung aufs Parkett gewagt hat. Wenig Bewegung gab es bei den Neugründungen. „Bislang haben wir zehn Start-ups für 2015 registriert, aber erfahrungsgemäßt verdoppelt sich die Zahl im Jahresverlauf“, heißt es bei biotechnologie.de. Damit läge 2015 auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren. Ein Großteil der neuen Firmen setzt dabei auf das Therapieentwicklungsgeschäft oder Diagnostika.