biotechnologie.de-Archiv 24. November 2016

Curry-Zutat Curcumin wirkt wie Cortison

Curry ist gesund, das ist bekannt! Aber warum? Forscher der Universität des Saarlandes fanden heraus: Der im Curry enthaltene Stoff Curcumin gibt dem Gewürz nicht nur seine orange-gelbe Farbe. Er wirkt wie Cortison auch entzündungshemmend, ist aber besser verträglich, wie das Team im Fachjournal „Journal of Biological Chemistry“ berichtet. Curry, ob süß oder scharf, gibt jedem Essen eine ganz besondere Note. Dass das Gewürz auch gesund ist, ist längst bekannt. Es soll Entzündungen und Gelenkschmerzen lindern und sogar Darmkrebs vorbeugen. Verantwortlich für die heilenden Kräfte ist der gleiche Stoff, der dem Gewürz seine prägnante gelbe Farbe verleiht: Curcumin. Protein unterstützt entzündungshemmende Wirkung Pharmazeutinnen der Universität des Saarlandes haben erstmals geklärt, warum Curcumin entzündungshemmend wirkt. In der Studie untersuchten die Forscher die Wirkung des Stoffes auf Zellen, in denen das entzündungshemmende Protein namens Gilz genetisch ausgeschaltet war. Danach verlor der Curry-Inhaltsstoff ohne das Protein Gilz seine entzündungshemmende Wirkung fast vollständig. „Wir konnten nachweisen, dass Curcumin nicht nur unspezifisch wirkt, sondern ganz gezielt eine antientzündliche Wirkung entfaltet. Anhand von Versuchsreihen an Zellmodellen können wir belegen, dass das Gewürz wie Kortison gezielt das Protein Gilz beeinflusst“, erklärt Alexandra Kiemer. Mehr zum Thema: News: Würziger Virenschutz für Leberzellen Erfindergeist: Gelbwurz bereichert die Pharmaforschung Erfindergeist: Gesunde Eigenschaften von Curcumin im Visier Alternative für Cortison-Präperate Gilz steht für "Glucocorticoid-induzierter Leucin Zipper". Dieses Protein spielt bei Entzündungen eine Hauptrolle, da es entsprechende Reaktionen blockiert. „Kommt es im Körper zu einer Entzündung, verschwindet dieses Protein jedoch“, erläutert Kiemer. Bisher werden bei Endzündungen Cortison-Präperate verschrieben. Sie  sorgen dafür, dass sich das Protein Gilz vermehrt. Das Problem: Das Hormonpräparat kann zu Veränderungen in der Zelle und zu erheblichen Nebenwirkungen führen. Bei dem Curry-Stoff ist das anders. „Curcumin führt ebenfalls dazu, dass speziell Gilz induziert wird, jedoch mit einem ganz anderen Mechanismus als Cortison“, fasst Jessica Hoppstädter zusammen. Neue Medikamente mit weniger Nebenwirkungen Wer jetzt glaubt, ein Löffel Curry-Pulver täglich wäre das Allheilmittel – täuscht. „Solche Konzentrationen an Curcumin kann man durch Verzehr nicht erreichen“, klärt Jessica Hoppstädter auf. Hinzukommt, dass Curcumin schlecht wasserlöslich ist und schlecht vom Körper aufgenommen werden kann. Dennoch: Der Beweis für die entzündungshemmende Wirkung des gelbgoldenen Pulvers könnte helfen, neue Medikamente zu entwickeln, die weniger Nebenwirkungen zeigen als das bei Cortison der Fall ist.