Fördergesellschaft IZB mbH 13. Dezember 2016

Bluttest ersetzt Biopsie


Neues Diagnostikverfahren für Krebserkrankungen - Patienten wird in Zukunft die belastende Prozedur einer Biopsie erspart bleiben und auch eine Früherkennung von Krebs wirdmöglich sein. Die im IZB ansässige amerikanische Biotechfirma Exosome Diagnostics hat einen neuen diagnostischen Test entwi-ckelt, mit dem man anhand von Körperflüssigkeiten Tumorerkrankungen nachweisen kann. Neben dem Hauptsitz in Cambrid-ge Massachusetts ist die europäische Dependance im Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie auf dem CampusMartinsried ansässig. Mikkel Noerholm steht diesem Unternehmen als Vice President Product Development und Head of European Operations vor. Susanne Simon hat ihn für die „IZB im Dialog“  interviewt.


Bisher wird Krebs nachgewiesen, indem man Gewebeproben entnimmt. Welche Alternative bietet Exosome Diagnostics?

Biopsien sind für Patienten generell sehr unangenehm. So muss sich z. B. ein Patient mit Verdacht auf Lungenkrebs einer Biopsie unterziehen, bei der mit einer Nadel in die Lunge gestochen wird. Hinzu kommt, dass die Ergebnisse oftmals nicht ausreichend sind und die Prozedur sogar wiederholt werden muss. Das ist sowohl für den Arzt, als auch für den Patienten sehr unbefriedigend. Im Gegensatz hierzu entwickelt Exosome Diagnostics schmerzfreie Alternativen, die Tumore anhand von Körperflüssigkeiten nachweisen. 


Welche Flüssigkeiten werden bei den Tests verwendet?

Mit unserer neuen Technologie detektieren wir winzige Partikel, sogenannte Exosome, die von Krebszellen in Körperflüssigkeiten abgegeben werden und Erbmaterial in sich tragen. Eine solche Untersuchung nennt man auch Liquid Biopsy (Flüssigbiopsie). Ein Gehirntumor lässt sich zum Beispiel gut in der Gehirnflüssigkeit nachweisen, bei Lungenkrebs können wir Blut verwenden, und Blasen- oder Prostatakrebs ist im Urin erkennbar. 


Warum ist die Technologie, die Exosome Diagnostics entwickelt hat, so vielversprechend?

Unsere Technologie ermöglicht einen besonders sensitiven Nachweis von Krebs aus Körperflüssigkeiten, da wir verschiedene Informationsquellen kombinieren können. So ist es uns möglich, zum einen Exosome zu analysieren, die von lebenden Krebszellen produziert werden und vorwiegend RNA beinhalten. Zum anderen können wir aus derselben Patientenprobe auch zellfreie DNA analysieren, die durch das Absterben von Krebsgewebe in die Körperflüssigkeiten gelangt. Damit können wir beide Prozesse gleichzeitig im Blick behalten und alle Informationen nutzen, die durch diese in die Blutbahn gegeben werden. 


Könnte man diese Tests auch als Vorsorgeuntersuchung einsetzen?

Ja, wir haben gerade in den USA einen Urin-basierten Test auf den Markt gebracht, den ExoDx Prostate(IntelliScore), der die Vorsorgeuntersuchung für Prostatakrebs verbessern kann. Dieser Test ist für Männer mit Verdacht auf Prostatakrebs indiziert, die für eine Biopsie in Betracht gezogen werden. Diese risikoreiche Biopsie führt jedoch nur in 25 bis 40 Prozent der Untersuchungen zu validen Ergebnissen. Unser Test hilft Ärzten und Patienten, die Wahrscheinlichkeit eines hochgradigen Prostatakrebses abzuschätzen, und zu entscheiden, ob eine Biopsie notwendig ist oder ob es ausreicht, den Patienten stattdessen weiterhin zu überwachen. Dieser Test wird in Zukunft auch hier in unserem klinischen Labor am Standort Martinsried angeboten. 


Gibt es weitere Einsatzgebiete, die Sie forcieren wollen?

Bei Transplantationen hängt der Erfolg der Operation maßgeblich davon ab, die Abstoßungsreaktionen in den Griff zu bekommen. Wird zum Beispiel einem Patienten eine neue Niere eingesetzt, wird das Immunsystem durch Medikamente soweit gehemmt, dass es zu keiner Abstoßungsreaktion kommt. Allerdings muss man hierbei die Aktivität des Immunsystems in Balance halten, sonst kann der Patient aufgrund einer Infektion sterben. Anhand eines einfachen Urin-Tests, den wir bei Exosome Diagnostics entwickeln und den man in kurzen Abständen wiederholen kann, helfen wir dem behandelnden Arzt diesen Balanceakt zu kontrollieren. 


Sie bieten unter dem Stichwort „Companion Diagnostics“ eine weitere Dienstleistung für Pharmaunternehmen an. Was muss man sich darunter vorstellen?

Companion Diagnostics macht den Kern der personalisierten Medizin aus und beschreibt die Anwendung von diagnostischen Tests, die verifizieren welche Behandlung für den einzelnen Patienten am besten geeignet ist. Daher sind diese begleitenden Diagnostika integraler Bestandteil der Arzneimittel-Entwicklungsprogramme von Pharmaunternehmen. Durch unsere Kompetenz in der Entwicklung von Liquid Biopsies, von der Identifizierung der Biomarker über die eigentliche Testentwicklung bis hin zur Zulassung, sind wir der ideale Partner für Pharmaunternehmen. Diese Dienstleistung bieten wir den Pharmaunternehmen in den USA durch unser klinisches CLIA Labor in Cambridge an. Im Oktober 2016 haben wir erfolgreich unser ISO 15189 Akkreditierungsaudit am Standort Martinsried durchgeführt, um auch hier in einem akkreditierten Labor diese Dienstleistungen anzubieten. 


Wie und wann wurde die Firma Exosome Diagonostics gegründet?

Dr. Johan Skog, Unternehmensgründer und heute CSO bei Exosome Diagnostics, hat bereits 2008 entdeckt, dass Tumore sowohl DNA, als auch Exosome, die RNA beinhalten, ins Blut abgeben und diese diagnostisch analysiert werden können. Im selben Jahr veröffentlichte er einen Artikel in der Fachzeitung Nature, erhielt die Lizenz vom Massachusetts General Hospital über die Technologie und gründete die Firma. Im Mai 2010 ist es uns dann gelungen, Investoren mit deutschenWurzeln für die Idee und die Firma zu begeistern. 


Warum haben Sie sich für den Standort in Martinsried entschieden?

Um auch auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, wollten wir einen Firmensitz vor Ort eröffnen. Nach eingehender Suche entschieden wir uns für den Standort Martinsried und zogen bereits im Juli 2011 in das IZB ein. Gerade für unseren Companion Diagnostics Services und die Studien, die wir für Pharmaunternehmen in Europa durchführen, war es wichtig, hier eine Dependance zu haben. Der weltweit einzigartige Ruf des Campus Martinsried und des IZB als Hotspot für Life Science hat sich bestätigt. Der Geschäftsführer des IZB, Dr. Zobel, und sein Team haben uns hier fantastisch empfangen und in jeder Hinsicht unterstützt. 


Exosome Diagnostics war einer der Empfänger der m4 Spitzenclusterförderung. Was bedeutete das für Ihre Unternehmensentwicklung?

Die Münchner Spitzencluster-Initiative „m4 – Personalisierte Medizin und zielgerichtete Therapien“ wurde bereits 2010 von BioM erfolgreich ins Leben gerufen. Wir reichten einen ambitionierten Antrag ein und erhielten eine Förderung in Höhe von einer Million Euro, mit der wir einen Großteil der Entwicklungsarbeit hier in Deutschland durchführen konnten. DerGeschäftsführer der BioM, Prof. Domdey, und sein Team haben uns dabei enorm geholfen, und so konnten wir das Unternehmen hier in Martinsried erfolgreich aufbauen und schnell wachsen.

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